Wandsystem aus Massivholz mit Pflanzen, Büchern und persönlichen Dingen
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Aneignung: Wie aus einem Raum mein Zuhause wird

Warum fühlt sich jede Wohnung anders an, selbst bei gleichem Grundriss? Wohnpsychologin Dr. Barbara Perfahl erklärt, wie aus einem Raum ein Zuhause wird. Lies hier ihren Gastbeitrag bei Balcosy.

Dr. Barbara Perfahl Gastbeitrag
Dr. Barbara Perfahl Wohnpsychologin und Buchautorin, externe Expertin

Begleitet seit 2008 Menschen dabei, sich in ihren Räumen wohlzufühlen, und hat dazu mehrere Bücher geschrieben, zuletzt „Wohnpsychologie für die Praxis“. Für Balcosy schreibt sie als Gastautorin über das, was Räume mit uns machen.

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Kurz gesagt
  • Aneignung heißt in der Wohnpsychologie, Räume an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen.
  • Darum sehen gleich geschnittene Wohnungen je nach Bewohner ganz anders aus und fühlen sich auch anders an.
  • Gelingt die Aneignung, entsteht eine Beziehung zwischen Mensch und Raum.
  • Fertig ist sie eigentlich nie: Wir entwickeln uns weiter und unsere Räume mit uns.

 

Was bedeutet Aneignung in der Wohnpsychologie?

Was macht einen Raum eigentlich zu MEINEM Raum?

Was macht aus einer beliebigen Wohnung MEINE Wohnung?

Was macht aus einem Haus mein Zuhause?

Es ist der Prozess, den man in der Wohnpsychologie ANEIGNUNG nennt. Aneignung bedeutet, die Umgebung, in der man sich befindet, an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen. Sie nach dem eigenen Geschmack zu gestalten. Und damit der Umgebung auch einen persönlichen Stempel aufzudrücken. Das tun wir mit Räumen. Eigentlich fast immer.

 

Aneignung ist ein Bedürfnis

Der Impuls, sich die räumliche Umgebung anzueignen, steckt tief in uns. Die meisten Menschen spüren ihn als Bedürfnis, die eigenen Räume zu gestalten. Sie so einzurichten, wie sie es brauchen, wie es ihnen gefällt und das so lange, bis sie sich darin wohlfühlen.

Daher schauen Wohnungen, selbst wenn sie identisch geschnitten sind, immer anders aus, je nachdem, wer in ihnen wohnt. Wenn du die Gelegenheit hast, in einem Mehrfamilienhaus in die Wohnung des Nachbarn über oder unter deiner eigenen Wohnung zu schauen, solltest du das tun. Du wirst überrascht sein, WIE anders die Wohnung deines Nachbarn ist. Nicht nur, wie anders sie aussieht, sondern auch, wie anders sie sich anfühlt.

Denn Räume nehmen durch die Aneignung auch gewissermaßen persönliche Eigenschaften des Bewohners an. Menschen, die sehr strukturiert sind, haben oft auch sehr strukturierte – sprich aufgeräumte und logisch sortierte – Wohnungen. Menschen, die sehr empfindsam sind, wie zum Beispiel hochsensible Personen, haben oft sehr reizreduzierte Räume – wenig Farbe, sanftes Licht, viel Natur. Und so weiter, da gibt es viele Beispiele.

Und die Räume verändern ihre Atmosphäre auch durch die persönlichen Dinge, zu denen die Bewohner einen emotionalen Bezug haben. Die Urlaubsfotos an der Wand. Die alten Möbel aus Holz, die der Großvater getischlert hat. Die Vintage-Designerlampe, für die das Konto geplündert wurde. Und das spüren wir, wenn wir in einem fremden Zuhause sind – auch wenn die Räume baulich identisch sind wie unsere eigenen.

Persönlich eingerichteter Wohnraum mit Sessel und Holzregal

 

Aneignung steckt im Detail

Schon die Entscheidung, welche Funktionen unsere Räume bieten sollen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Klar, Schlafen, Sitzen und Essen zubereiten tun wir alle, insofern hat praktisch jede Wohnung einen Schlafbereich, einen Wohnbereich und eine Küche. Aber nicht jeder hat viele Bücher, für die er Regale braucht. Nicht jeder nimmt Arbeit mit nach Hause und braucht einen Schreibtisch. Nicht jeder hat Kinder und braucht ein oder mehrere Kinderzimmer, nur um die gängigsten Wohnfunktionen zu benennen.

In meiner Arbeit sehe ich dabei oft, dass Aneignung aber meist gar nicht so sehr auf die Funktionen fokussiert ist, auch wenn die Funktionen in den Räumen abgebildet werden müssen. Viel mehr Aufmerksamkeit und Gestaltungsenergie geht oft in die Details oder in kleinere Bereiche der Wohnung. Also die Frage, wie genau das Bücherregal aussehen soll, das ich brauche für meine Bücher. Oder wie genau ich den Arbeitsplatz in das Wohnzimmer integrieren kann, damit er sich in die restliche Gestaltung harmonisch einfügt. Oder wie genau die Deko auf der kleinen Kommode im Flur arrangiert ist.

Dieser Prozess, da eine gute Lösung zu finden, nimmt oft viel mehr Zeit und Energie in Anspruch als die Grundfrage nach der Funktion im Raum. Und viele Menschen gehen dabei sehr ins Detail, es ist ihnen wichtig, dass die Lösung, auch gestalterisch, am Ende wirklich gut ist. Dass nichts daran den angenehmen Eindruck und das schöne Gesamtbild stört (wobei es sehr unterschiedlich ist, was wir individuell schön finden).

Aneignung heißt aber vor allem auch, in den Raum persönliche Gegenstände einzubringen, ihn mit Dekoration zu verschönern und sich mit Gegenständen, die einem etwas bedeuten, zu umgeben. Bilder, Urlaubsmitbringsel, liebgewonnene Möbel, Stücke mit persönlicher Geschichte – solche Dinge. Und gerade hier entsteht ein emotionaler Bezug zu den Räumen. Oder anders gesagt: eine Beziehung zwischen Mensch und Raum.

Wohnwand aus Massivholz mit Büchern, Pflanzen und persönlichen Dingen

 

Aneignung ist Beziehung

Wenn die Aneignung von Räumen gelingt, dann passiert nämlich etwas ganz Spannendes: Wir bauen eine Beziehung zu diesen Räumen auf. Wir binden uns an sie. Wir fühlen uns verbunden mit unseren Räumen.

Wir merken das spätestens dann, wenn wir länger von Zuhause weg sind. Dann fangen wir an, unsere Räume, unsere Wohnung, unser Zuhause zu vermissen. Wir freuen uns darauf, endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen, auf der eigenen Couch zu sitzen und aus dem eigenen Fenster zu schauen. Man kann Räume vermissen, genau so, wie man einen Menschen vermisst.

 

Aneignung ist Freiheit

Eine gelungene Aneignung bringt aber noch einen anderen wichtigen Aspekt mit sich. Sie bedeutet nämlich Freiheit. Die Freiheit, sich die Räume um sich genau so zu gestalten, wie es sich gut anfühlt. Es gibt da ja eigentlich keine Vorgaben, wie ein Raum „richtig“ einzurichten oder zu gestalten ist. Wir können die Räume so dekorieren, möblieren und gestalten, wie wir das gern möchten.

Und das zu erleben, dass wir Räume verwandeln können, von neutralen, unpersönlichen Räumen zu unseren persönlichen Räumen, unserem Zuhause, das uns etwas bedeutet und in dem wir uns wohlfühlen, stärkt einen. Es zeigt auch, dass wir uns immer wieder neu eine Umgebung schaffen können, die uns gefällt und gut tut.

 

Aneignung ist ein Prozess

Dabei ist die Aneignung der eigenen Räume im Grunde nie zu Ende. Man hört nie auf, sich die Räume anzueignen. Weil wir uns immer weiter entwickeln, tun es unsere Räume auch. Aneignung ist also ein Prozess, der mal dynamischer und mal langsamer verläuft. Und vielleicht auch mal Pausen einlegt. Aber zu Ende ist die Raumaneignung im eigenen Zuhause eigentlich nie.

Und auch wenn es sich so anfühlt, als wären die eigenen Räume irgendwann fertig: Spätestens, wenn man umzieht, fängt man mit der Aneignung wieder von vorne an.

 

Häufige Fragen zur Aneignung von Räumen

Was bedeutet Aneignung in der Wohnpsychologie?

Aneignung beschreibt, wie wir unsere Umgebung an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anpassen und nach unserem Geschmack gestalten. So drücken wir Räumen einen persönlichen Stempel auf, und aus einer Wohnung wird ein Zuhause.

Warum sehen gleich geschnittene Wohnungen so unterschiedlich aus?

Weil jeder Mensch seine Räume so lange gestaltet, bis er sich darin wohlfühlt. Räume nehmen dabei Eigenschaften ihrer Bewohner an. Persönliche Dinge mit Geschichte prägen die Atmosphäre zusätzlich.

Wie wird eine neue Wohnung zu meinem Zuhause?

Indem du sie dir aneignest. Bring Dinge mit, die dir etwas bedeuten, also Bilder, Erinnerungsstücke oder liebgewonnene Möbel. Gerade über solche persönlichen Gegenstände entsteht die Beziehung zwischen dir und deinen Räumen.

Ist eine Wohnung irgendwann fertig eingerichtet?

Laut Barbara Perfahl eigentlich nie. Weil wir uns weiterentwickeln, verändern sich auch unsere Räume. Aneignung läuft mal schneller, mal langsamer und beginnt spätestens beim nächsten Umzug von vorne.

 

 

 

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Und wenn du lieber mit jemandem darüber sprichst: Wir beraten dich gern persönlich und überlegen gemeinsam, was zu deinem Raum passt. Hier kannst du einen Termin vereinbaren.

Mit unserer Fensterpost..

...lernst du, wie du deine Räume so verändert kannst, dass sie dir gut tun und bleibst am Laufenden über alles, was sich bei Balcosy entwickelt.

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